#Charakters of september

Das Originalbild stammt vom französischen Fotografen Philippe Echaroux und wurde auf der Seite ‚Petapixel‘ veröffentlicht. Link hier

 

 

Meine tolle Autorenkollegin Gabi Büttner  hat sich eine ziemlich coole Challenge für den September ausgedacht. Jeden Tag gibt es eine neue Frage, die ein Protagonist aus dem eigenen Buch beantworten soll. Die Idee fand ich super und habe meine Leser über Facebook gefragt, wer sich dem Interview stellen soll.

Unter den Vorschlägen habe ich ausgelost.

Das Ergebnis:

Kos aus Nummer 365 – Die Lichtbringer

 

Hier findet ihr nun den ersten Teil des Interviews. Er deckt die ersten zehn Fragen ab.

Schreibt mir doch einen Kommentar, ob euch solche Interviews gefallen. Würde mich sehr interssieren.

Vielleicht gibt es dann öfter welche.

 

Und schon geht es los:

 

 

Sabrina: Hallo Kos, es freut mich sehr, dass Sie zu diesem Interview für ‚Charaktersofseptember‘ bereit waren.

Kos: Na sind wir doch mal ehrlich: Ich hatte nicht wirklich eine Wahl, oder? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

 

Sabrina: Ja gut, das stimmt. Die Leser haben sich gewünscht, mehr von Ihnen zu erfahren. Deshalb sind Sie hier.

Kos: Und was der Leser will, bekommt er. Erinnert mich an die Strukturen bei der Armee.

 

Sabrina: Ach nun kommen Sie, das kann man doch nicht vergleichen. Es wird bestimmt interessant! Wie wäre es, wenn Sie sich erst mal vorstellen?

Kos: Na gut, vielleicht hast du recht.

Mein Name ist Kos. Ich bin 36 Jahre alt und Soldat in der Armee der Lichtbringer – Oberstabsarzt um genau zu sein. Als solcher habe ich die medizinische Verantwortung über die neuen Rekruten der sogenannten Akademie. Kein Spaß, das kann ich dir sagen. Sie ziehen kleine Kinder in die Armee ein und erwarten, dass sie von heute auf morgen Soldaten werden. Das ist Wahnsinn, wenn du mich fragst. Aber auf mich hört ja keiner.

 

Sabrina: Sind Sie ein eher positiver, oder eher negativer Mensch?

Kos: Hm … Schwer zu sagen. Ich bin Arzt geworden um Menschen zu helfen und die Welt zu verändern. Ich wollte meinen Beitrag für Eden leisten. Den Lichtbringern helfen. Die Bevölkerung beschützen. Leben retten. Ich wollte für meinen Sohn eine bessere Welt erschaffen. Damals war ich jung und optimistisch.

Doch dann kam alles ganz anders. Meine Welt stürzte ein, zerbrach in tausend Teile und ich lande in dieser verfluchten Akademie. Seitdem fällt es mir schwer positiv zu denken. All das Leid um mich herum und diese schreckliche Schuld.

Ich versuche, für die Kinder hier stark zu sein. Ihnen Mut zu machen und sie zu beschützen. Aber ich weiß nicht, wie lange ich das noch schaffe.

 

Sabrina: Das kann ich gut verstehen. Aber gibt es vielleicht auch etwas, dass Sie zum Lachen bringt?

Kos: Mein Sohn hat mich sehr oft zum Lachen gebracht. Und ich ihn. Ich glaube, ich war sogar richtig witzig. Aber das ist lange her. Keine Ahnung wann ich das letzte mal wirklich herzhaft gelacht habe. Ich lächle viel. Vor allem um meine kleinen Patienten zu beruhigen.

 

Sabrina: Wie sehen Sie sich denn selbst?

Kos: Jetzt gehst du aber ganz schön in die Tiefe. Was soll ich dazu schon sagen? Ich bin ein Mann, der für eine Armee mit Kindersoldaten arbeitet. Klar, versuche ich mein bestes um die Kinder zu schützen. Ich versuche alles um ihnen im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen. Aber wiegt das meine Schuld auf? Wohl kaum. Meinst du nicht auch? Ich mache meinem Berufsstand Schande und sollte mich eigentlich nicht Arzt nennen dürfen. Ich bin ein Stiefellecker. Ein Feigling.

 

Sabrina: Das ist ein ganz schön hartes Urteil.

Kos: Es ist die Wahrheit.

 

Sabrina: Und wie werden Sie von anderen gesehen?

Kos: Naja, die Kinder verstehen das natürlich nicht. Sie mögen mich. Halten mich für eine Art Held oder so. Ich bin ja auch einer der wenigen Erwachsenen hier, der nicht versucht sie umzubringen.

Meine Vorgesetzten in der Armee halten mich dagegen für einen Schwächling. Einen Spinner. Natürlich bin ich nützlich für sie. Schließlich könnten meine Forschungen einiges verändern. Aber ich glaube sie warten nur auf eine gute Gelegenheit mich loszuwerden und mich in irgendein dunkles Loch zu stecken wo ich zum Weiterforschen gezwungen werde.

 

Sabrina: Dann sollten sie ihnen besser keine Vorwand dazu liefern.

Kos: Ich versuche es.

 

Sabrina: Was ist ihr stärkster und was ist ihr schwächster Charakterzug?

Kos: Ich kann mich gut in andere hineinversetzen und habe das tiefe innere Bedürfnis zu helfen. Ich glaube das macht mich zu einem guten Arzt.

Aber ich bin auch ein Mitläufer. Nicht mutig genug um mich offen gegen die Armee zu stellen. Ich verschließe die Augen und versuche mir einzureden, dass das was ich tue um den Kindern zu helfen, ausreicht.

Doch ich weiß nicht, wie lange ich mit dieser Schuld noch leben kann.

 

Sabrina: Wie reagieren Sie auf Lob und Kritik?

Kos: Wenn mich heute jemand lobt, dann wegen meiner Arbeit. Natürlich bin ich stolz, wenn ich bei meinen Forschungen weiterkomme oder glücklich, wenn ich ein Leben retten konnte. Doch tief in meinem Innern weiß ich, dass ich auf der falschen Seite stehe. Wie kann ich ein Lob also aus vollem Herzen annehmen?

Bei Kritik kommt es darauf an von wem sie kommt. Ist es jemand der im Rang unter mir oder gleichgestellt ist, beharre ich auf meinem Standpunkt, wenn ich ihn für richtig halte. Ist es ein Vorgesetzter bin ich vorsichtiger.

Am härtesten trifft mich Kritik der Kinder an mir. Denn sie ist berechtigt.

 

Sabrina: Wovor haben Sie am meisten Angst?

Kos: Sicher, dass das ein Interview ist und keine psychologische Sitzung? Ich bin schon ziemlich erledigt. Vielleicht können wir ein anderes Mal weiter machen?

 

Sabrina: Ich habe mir die Fragen nicht ausgedacht. Ehrlich. Aber es sind für heute nur noch drei.

Kos: Das … Na schön. Meine größte Angst ist, dass ich nochmal so versage, wie bei meiner Familie. Dass ich alles kaputt gehen lassen und nichts dagegen tue. Dass ich machtlos bin. Dass ich Nichts tue. Zufrieden?

 

Sabrina: Ich kann gut verstehen, dass Sie das nicht gerne herumerzählen. Wie wäre es zur Auflockerung mit einem weniger sensiblen Thema? Was mögen Sie an Ihrem Körper besonders? Und was gar nicht?

Kos: Puh! Also da habe ich noch nie so wirklich darüber nachgedacht.

Ich finde im Grunde, dass ich ganz gut aussehe. Ich glaube, Vorfahren von mir stammten aus einem Land names ‚Griechenland‘. Dort sahen die Leute anscheinend ganz gut aus. Braune Haare, olivfarbene Haut. Und dann mag ich natürlich meine Augen dazu recht gerne. So ein dunkles blau sieht man ja nicht oft. Obwohl ich sagen muss, dass die faszinierendsten Augen, die ich bisher gesehen habe türkis sind. Sie gehören zu einem der Jungen hier in der Akademie. Aber ich komme vom Thema ab.

Das einzige, was mir gar nicht an meinem Äußeren gefällt ist, dass ich immer diese Uniform trage. Sie erinnert mich ständig daran, dass ich Teil einer Armee bin. Dass ich ihr gehöre. Fehlt nur noch, dass sie mich genauso brandmarken wie die Rekruten. Wir sind doch keine Kühe!

 

Sabrina: Und zum Schluss: Haben Sie ein Geheimnis von dem niemand weiß?

Kos: Natürlich. Was glaubst du? Ich arbeite an einer geheimen Akademie und forsche noch dazu auf einem kriegswichtigen medizinischen Gebiet. Nichts davon ist für die Bevölkerung freigegeben.

 

Sabrina: Na gut, vielleicht noch etwas anderes?

Kos: Du bist ganz schön neugierig, was? Du solltest vorsichtig sein. Sie mögen es nicht, wenn man zu neugierig ist.

Das sage ich auch Simon ständig. Er und ich haben schon ein paar Dinge getan die uns vors Kriegsgericht bringen würden, wenn sie je herauskämen. Aber du wirst sicher verstehen, dass ich hier nicht ins Detail gehen kann. Ich würde ja nicht nur mich, sondern auch den Jungen in Gefahr bringen.

 

Sabrina: Natürlich. Das verstehe ich sehr gut. Ich bedanke mich bei Ihnen und bin gespannt auf unser nächstes Treffen.

 

 

 

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