#Charakters of september 2018 – Teil 1

Orginalbild hier

 

Vielleicht erinnern sich noch ein paar von euch an die #charakterofseptember Challenge meine tolle Autorenkollegin Gabi Büttner?

Damals hat sich, auf euren Wunsch, Kos aus Nummer 365 – Die Lichtbringer den täglichen Fragen gestellt. Das ganze Interview findet ihr hier.

Jetzt geht die Challenge in Runde zwei!

Gabi Büttner hat sich wieder für jeden Tag des Septembers eine neue Frage ausgedacht, die ein Protagonist aus dem eigenen Buch beantworten soll.

Wieder habe ich über Facebook gefragt, welcher Charakter ich dieses Jahr für euch interviewen sollen. Ihr habt euch für meinen Überraschungskandidaten aus dem aktuell noch unveröffentlichtem Manuskript ‚Nummer 365 – Der Abendstern‘ entschieden.

Hier findet ihr nun den ersten Teil des Interviews. Er deckt die ersten zehn Fragen ab, die unter dem Oberthema ‚Persönliches‘ stehen.

Und schon geht es los:

 

Stimme: „Hallo Talion. Bitte wundere dich nicht darüber, dass du uns nur über den Lautsprecher hörst. Das ist Teil der Testreihe. Die Apparate, an die du angeschlossen wurdest ebenfalls. Versuch wahrheitsgemäß zu antworten, damit wir dir helfen kö-“

Talion: „Wirklich? Den Mist soll ich glauben?“

Stimme: „Entschuldige? Wir verstehen nicht was du-“

Talion: „Ich soll glauben, dass das hier eine gewöhnliche psychologische Untersuchung ist, ja? So ein Schwachsinn! Das könnt ihr erzählen, wem ihr wollt. Hier geht doch etwas ganz anderes vor sich!“

Stimme: „Du hast doch selbst bei uns nach psychologischer Hilfe gesucht.“

Talion: „Und das war wahrscheinlich ein verdammter Fehler!“

Stimme: „Lass es uns wenigstens versuchen. Was hast du zu verlieren?“

Talion: „Nichts. Nur meine geheimsten Gedanken und Gefühle. Die euch doch nur deshalb so brennend interessieren, weil…“

Stimme: „Ja? Was überlegst du?“

Talion: „Ach, verflucht. Dann fangt schon an.“

Stimme: „Wie du möchtest. Bitte stell dich vor.“

Talion: „Echt jetzt? Ihr wisst doch, wer ich bin. Ihr habt alle meine Daten in einer schönen Akte.“

Stimme: „Darum geht es nicht. Hör mal, das hier wird um einiges einfacher, wenn du uns nicht bei jedem zweiten Satz Schwierigkeiten machst.“

Talion: „Aber so bin ich nun mal. Gestatten – Talion – der Mann der jedem Schwierigkeiten macht.“

 

Stimme: „Beschreibe dich.“

Talion: „Kein bitte mehr, ja?“

Stimme: „Talion…“

Talion: „Ist ja gut. Was wollt ihr hören? Ich bin Soldat. Ungefähr 25 Jahre alt. Ich wohne hier in 67. Bin aber mehr draußen im Einsatz als sonst wo. Reicht das?“

Stimme: „Geh doch noch etwas auf deinen Charakter ein. Wie würdest du dich mit wenigen Worten beschreiben?“

Talion: „Wütend. Effizient. Unberechenbar.“

 

Stimme: „Lieblingszitat?“

Talion: „Jetzt werdet ihr schon einsilbig?“

Stimme: „Beantworte doch einfach die Frage.“

Talion: „So etwas habe ich nicht.“

Stimme: „Tatsächlich? Es gibt keine Worte, die dich besonders berührt haben?“

Talion lacht und antwortet dann: „Doch schon, aber die waren nicht gerade tiefsinnig.“

Stimme: „Also?“

Talion: „Jeder braucht Freunde, du verdammter Idiot.“

Stimme: „Wer hat das gesagt?“

Talion: „Das war nicht die Frage, oder?“

 

Stimme: „Na schön, dann lass uns weiter machen. Gibt es ein Gerücht über dich?“

Talion: „Soll das ein Witz sein? In der ganzen verdammten Kuppel zerreißen sie sich das Maul über mich.“

Stimme: „Gut. Tun wir so, als hätten wir noch keins dieser Gerüchte gehört. Was wäre das erste, das uns über dich zu Ohren kommen würde?“

Talion: „Nun, vermutlich, dass ich der gefürchtetste Soldat der Armee bin. Schrecken aller Lichtbringer. Aber undiszipliniert und unberechenbar. Nur Yunes – der Löwenbändiger – hat nichts vor mir zu befürchten. Aber das stimmt nicht. Yunes hat sich mehr Schläge von mir eingefangen als jeder andere.“

 

Stimme: „Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten?

Talion: „Ich bin gut im Improvisieren und brauche nicht irgendwelchen Schnickschnack. Man kann auf alles verzichten. Die Frage ist nur wie lange.“

Stimme: „Das war keine Antwort.“

Talion: „Ist ja schon gut. Also ich denke, dann wähle ich Freundschaft und Respekt. Man kann lange ohne beides auskommen. Aber nicht ewig.“

 

Stimme: „Bist du anders als andere Menschen?“

Talion: „Verdammt! Das wisst ihr verflucht gut!“

Stimme: „Bitte beruhige dich.“

Talion: „Ich soll mich beruhigen?! Ihr wisst genau, dass ich anders bin. Anders als ihr alle! Dass ich der Einzige bin! Der Einzige, der überlebt hat!“

Stimme: „In Ordnung. Besser wir machen eine kurze Pause.“

Talion: „Nein. Macht mit etwas anderem weiter.“

Stimme: „Du siehst erschöpft aus.“

Talion: „Scheiße! Das werde ich ja wohl noch besser wissen.“

 

Stimme: „Wie du meinst. Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?“

Talion: „Dass ich mich ebenso schnell beruhige, wie aufrege. Mag sein, dass mein Temperament oft mit mir durchgeht. Aber genau so schnell ist auch wieder Ruhe. Ich habe das einfach nicht im Griff…“

Stimme: „Interessant.“

Talion: „Ja, das hättet ihr nicht gedacht, was?

Stimme: „Siehst du, genau deswegen machen wir das hier. Die Erkenntnisse aus dieser Befragung können uns helfen deine neurologischen Muster besser zu verstehen und-“

Talion: „Wer’s glaubt. Ich traue euch trotzdem kein Stück.“

 

Stimme seufzt leise, dann fährt sie fort: „Wie entspannst du dich?“

Talion: „Also… Nun … Verflucht, das ist mir peinlich.“

Stimme: „Nichts was du sagst, wird nach außen dringen.“

Talion: „Ja, vermutlich wird nur der halbe Rat das Protokoll lesen.“

Stimme: „Wir können dir versichern, dass es nicht so ist, wie du denkst.“

Talion: „Den Atem könnt ihr euch auch sparen. Es wäre ja doch gelogen. Die werden furchtbar scharf auf meine Antworten sein. Wahrscheinlich war das Ganze sogar eine von Vadims verdammten Ideen.“

Stimme: „Du lenkst ab.“

Talion: „Ach verflucht. Also schön, ich kann ziemlich gut mit Kindern. Ich spiele gerne mit ihnen. Dabei komme ich ziemlich gut runter. Ich denke, das liegt an früher. An meinen Brüdern.“

Stimme: „Interessant.“

Talion: „Mehr fällt euch nicht dazu ein?

 

Stimme: „Welches Wort bringt dich auf die Palme?“

Talion: „Was glaubt ihr? Anders, abartig, unmenschlich, Kriegsmaschine, unnormal. Und noch ein paar andere.“

Stimme: „Sicher, dass du nicht ein wichtiges vergessen hast?“

Talion: „Ich weiß nicht, was ihr meint.“

Stimme: „Deine Werte sagen etwas anderes.“

Talion: „Und ich sage, ihr könnt euch eure elenden Werte in den -“

 

Stimme: „Ist ja gut. Dann lass uns weiter machen. Gibt es in deinem Leben etwas, mit dem du nicht abgeschlossen hast? Wenn ja, was?

Talion: „Hmm… Was könnte das wohl sein? Vielleicht die Tatsache, dass all meine Brüder tot sind? Dass sie ermordet wurden? Dass ich als Einziger überlebt habe? Entkommen bin? Sie im Stich gelassen habe? Nein, das ist völlig unmöglich. Solche Kleinigkeiten sollte man wirklich hinter sich lassen.“

Stimme: „Gut, das wars für heute. Wir werden das Gespräch bei der nächsten Sitzung fortführen.“

Talion: „Na großartig. Ich freue mich schon darauf.“

 

 

 

 

 

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